Von der Leyen will neunen Kampfpanzer entwickeln lassen

Von Matthias Gebauer

Aktualisiert am 22. Mai 2015, 14:34 Uhr

In Kooperation mit SPIEGEL ONLINE

Seit der Ukraine-Krise sind Panzer gefragt, auch bei der Bundeswehr. Nach Informationen von Spiegel Online will Verteidigungsministerin von der Leyen sogar noch dieses Jahr die Entwicklung eines Nachfolgers f├╝r den “Leopard” starten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will noch dieses Jahr mit der Entwicklung eines neuen Kampfpanzers f├╝r die Bundeswehr beginnen lassen. Nach Informationen von Spiegel Online berichtete ihr Staatssekret├Ąr Markus Gr├╝bel dem Bundestag, dass Deutschland bis 2030 mit Frankreich einen Nachfolger f├╝r den “Leopard”-Panzer bauen will, daf├╝r sollen “Technologien und Konzepte in gemeinsamen Studien unter Einbeziehung der deutschen Industrie untersucht” werden.

Der “Leopard” ist derzeit der Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr, wegen des sich “abzeichnenden Nutzungsdauerendes” um das Jahr 2030 sei aber eine Neuentwicklung notwendig, berichtete Gr├╝bel.

Nato l├Ąsst milit├Ąrische Muskeln spielen

Mit dem Startschuss reagiert von der Leyen auf die neue strategische Lage seit dem Beginn der Ukraine-Krise. Nachdem die deutschen Kampfpanzer ├╝ber Jahrzehnte in ihren Lagern vor sich hin verstaubten, erleben sie eine Renaissance. Die ├Âstlichen Nato-Mitglieder f├╝hlen sich bedroht, der B├╝ndnisfall inklusive des Einsatzes von Panzern wird wieder durchgespielt. Zudem l├Ąsst die Nato zunehmend die milit├Ąrischen Muskeln spielen, Deutschland f├╝hrt dabei die schnelle Eingreiftruppe der Allianz.

Um mitzuspielen, hat von der Leyen eine Mobilmachung der deutschen Panzer-Flotte befohlen. Statt bisher 225 sollen bald 328 “Leopard” einsatzbereit sein, laut Ministerium “mit dem Ziel einer Anpassung an die ver├Ąnderte sicherheitspolitische Lage und eine erh├Âhte Verf├╝gbarkeit f├╝r Ausbildung und ├ťbungen” der Nato. F├╝r die Bereitschaft der Bundeswehr werden eingelagerte Modelle modernisiert, damit die Verb├Ąnde besser mit Panzern ausger├╝stet sind und diese nicht st├Ąndig rotieren m├╝ssen.

Deutsch-franz├Âsische Kooperation hat sich bew├Ąhrt

Die Weichen f├╝r eine gemeinsame Panzerentwicklung hatten Berlin und Paris 2012 gestellt. Im Juni unterzeichnete man ein Abkommen ├╝ber eine R├╝stungskooperation, damals wurde als Zielmarke ausgemacht, die Einkaufsmacht auf dem milliardenschweren R├╝stungsmarkt zu b├╝ndeln. Das Projekt Kampfpanzer bietet sich daf├╝r an, schon der “Leopard”, bis heute modernster Kampfpanzer der Welt, wurde in einer deutsch-franz├Âsischen Kooperation entwickelt.

Auf die R├╝stungsindustrie wartet ein Milliardengesch├Ąft – zun├Ąchst bei der Ausstattung der Bundeswehr, die rund 300 St├╝ck abnehmen w├╝rde, dann aber auch beim Verkauf weltweit. Bis heute gilt der “Leopard” als Renner auf dem Waffenmarkt. Der Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) kann jedoch viele lukrative Anfragen nicht bedienen, da die Bundesregierung derzeit Exporte zum Beispiel nach Saudi-Arabien oder in die Golfstaaten, etwas restriktiver als zuvor behandelt.

F├╝r die Entwicklung eines neuen Kampfpanzers richtet sich der Fokus nun wieder auf Gespr├Ąche, die KMW mit dem franz├Âsische Wettbewerber Nexter f├╝hrt. Angedacht ist eine Fusion zum R├╝stungsriesen, dieser h├Ątte zwei Milliarden Euro Jahresumsatz, Auftr├Ąge von rund 6,5 Milliarden Euro, 6000 Mitarbeiter. Bisher machen sich die Unternehmen mit dem “Leopard” und dem Nexter-Modell “Leclerc” Konkurrenz. Ob die Fusion zustande kommt, soll sich noch dieses Jahr kl├Ąren.

Bundeswehr soll mit Aufr├╝stung Russlands gleichziehen

Union und SPD werden sich ├╝ber den Vorsto├č von der Leyens freuen. Erst k├╝rzlich forderte CDU-Verteidigungsexperte Henning Otte eine Aufstockung des Wehretats, gemeinsam mit der SPD dr├Ąngt er schon l├Ąnger auf die Entwicklung eines neuen “Leopard”-Modells. Otte argumentiert, die Bundeswehr m├╝sse die Aufr├╝stung Russlands nicht nur im Auge behalten, sondern gleichziehen. 25 Jahre nach dem Mauerfall ist man damit endg├╝ltig zur├╝ck bei der Rhetorik des Kalten Kriegs.

Von der Opposition wird das Projekt kritisiert. “Statt sich im Rahmen der Wei├čbuch-Debatte ├╝ber die zuk├╝nftigen Aufgaben der Bundeswehr zu einigen und dann die Beschaffungspolitik danach auszurichten, setzt von der Leyen auf immer mehr und neue Panzer”, sagte die Verteidigungsfachfrau Agnieszka Brugger (Gr├╝ne). Das Wei├čbuch ist eine Art sicherheitspolitische Bibel, diese wird gerade erneuert, daran sind das Wehrressort aber auch das Ausw├Ąrtige Amt sowie das Kanzleramt beteiligt.

Zusammengefasst:

Ursula von der Leyen reagiert auf die neue strategische Lage seit Beginn der Ukraine-Krise und will einen neuen Kampfpanzer entwickeln. Der Nachfolger des “Leopard” soll in Kooperation mit einem franz├Âsischen Hersteller erfolgen. Die Opposition kritisiert das Projekt: Das Verteidigungsministerium solle seine Beschaffungspolitik danach ausrichten, was die sicherheitspolitische Bestandsaufnahme tats├Ąchlich erfordert. ┬ę SPIEGEL ONLINE

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